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.: Flusswinter - Rezensionen
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Taschenbuch: 189 Seiten
Verlag: Kitab Verlag; Auflage: 1 (April 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3902005300
ISBN-13: 978-3902005304
Bestellung: Amazon
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Günther
Freitag findet in Flusswinter einen ausgesprochen
feinen Ton und wandert zwischen tragischen Schicksalen
und ernüchternder Heiterkeit. |
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Es
sei sein politischstes Buch, das er bisher geschrieben
habe, allerdings kein parteipolitisches. Und es sei kein
Buch, das für Österreich gelte. "Es kann
überall spielen", so der Autor. Es gehe auch
nicht um Rechts- oder Linksdiktaturen, sondern nur darum,
aufzuzeigen, wie Menschen auf autoritäre Strukturen
reagieren. Eine Studie über Menschen und ihre Gemeinheiten
und das Schauen wie weit sie ihre Gemeinheiten treiben
können, wie sie gegen ihre Nächsten arbeiten.
Schreiben bedeutet für Freitag ein Überlegen
und Rekonstruieren von Dingen. Die Schaffung einer Welt
- einer Gegenwelt - in der der Autor auch eine Zeit lang
lebt.
Andrea
Seebacher in der "Kleinen Zeitung".
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Wenn
Bespitzelung und Denunziation regieren
Eine Parabel der Niedertracht: Günther Freitags neuer
Roman „Flusswinter“.
Es sei kein Buch, das für Österreich gelte.
Der Leser nimmt diese Aussage mit Erleichterung zur Kenntnis.
Zu schrecklich ist das Szenario, das Günther Freitag
aus vier unterschiedlichen Erzählperspektiven entwirft.
Die Frage, ob es sich um eine „linke“ oder
„rechte“ Diktatur handelt, die das Leben der
Menschen am Fluss so verändert hat, lässt der
Autor offen. Sie ist nicht relevant. Nicht für den
Leser und nicht für die Menschen, die in dem grenznahen
Dorf hilflos einer Autorität ausgesetzt sind. In
knappen, pointierten Sätzen werden Bilder einer Angst
gezeichnet, sich aus Unkenntnis der neuen Gesetze strafbar
zu machen. Nachbarn verschwinden. Bespitzelung und Denunziation
sind allgegenwärtig. Geredet wird vom Wetter, von
der Kälte. Und dann wird der saure Wein getrunken,
der auf den Hügeln hinter dem Dorf wächst, noch
wächst.
Auch die Menschen werden kälter. Zonenüberschreitungsbewilligung,
Verlegung, Staatszurücklassung, das sind die neuen
Begriffe, denen sie nichts entgegenzusetzen haben als
ihre Angst und ihren Egoismus. Einer Gruppe von Schulkindern
gelingt es am besten, sich in die Verhältnisse einzufügen.
Platz für Hoffnung lässt Freitag. Und: „Es
kann überall spielen.“
B. Wiltschnig, "Kleine Zeitung", 6.
März 2004 |
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Es
sei kein Buch, das für Österreich gelte. Der
Leser nimmt diese Aussage mit Erleichterung zur Kenntnis.
Zu schrecklich ist das Szenario, das Günther Freitag
aus vier unterschiedlichen Erzählperspektiven entwirft.
Kleine
Zeitung |
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"Aus
vier unterschiedlichen Erzählperspektiven, die miteinander
vernetzt sind, wird von den Menschen in einem grenznahen
Dorf erzählt, die lernen müssen, mit Bespitzelung
und Denunziation zu leben, die vom Wetter, von der Kälte
reden und dann den sauren Wein trinken, der auf den Hügeln
hinter dem Dorf wächst. Menschen, die mit den neuen
Begriffen "Zonenüberschreitungsbewilligung",
"Verlegung" und "Staatszurücklassung"
zurechtkommen müssen und dabei selbst immer kälter
werden, rücksichtslos und egoistisch in ihrer Angst,
sich aus Unkenntnis der neuen Gesetze strafbar zu machen.
Ob diese Gesetze von einer "linken" oder "rechten"
Autorität gemacht sind, lässt der Autor offen.
Das ist nicht relevant, nicht für die ihr hilflos
ausgesetzten Menschen am Fluss und nicht für das
Publikum. "Es kann überall spielen", so
Freitag. Immer wieder verschwinden Nachbarn, ohne Nachricht
für die Zurückgebliebenen. Eine namenlose Gruppe
von Schulkindern schafft es am besten, den neuen Verhältnissen
zu begegnen. Hoffnung nach Umkehr sucht der Leser vergebens.
Und ist selbst gefanden - in dem Roman."
KTZ 16.3.2004 |
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Blick
in den Abgrund
„Flusswinter“ von Günther Freitag: eine
kühle Studie über das auseinanderbrechende Leben
in einer Diktatur
Eine
heruntergekommene Kleinstadt in Grenznähe eines
nicht näher benannten Staates, die Bewohner nicht
minder heruntergekommen, längst seelisch wie auch
körperlich in Grausamkeit eingeübt: In Günther
Freitags neuem Roman „Flusswinter“ gibt
es kein Entkommen aus Niedertracht und Gleichgültigkeit,
ja, jede andere mitmenschliche Regung wird gnadenlos
verfolgt und bestraft.
Konsequent verharrt Günther Freitag in abgekühlter
Äquidistanz zu seinen Akteuren: Gleich ob es sich
um das seltsame Hotelier-Ehepaar handelt, deren „erstes“
Haus am Platz nur mehr als verschimmelte Absteige existiert,
um den Wirt Hanusch, der seine Niedertracht im eigenen
Wirtshaus auslebt, oder um die Kinder, die als verwilderte
Bande, bewaffnet mit einer Pistole durch die Gassen
ziehen und sich über ihre angstgekrümmten
Eltern lustig machen.
„Flusswinter“, das ist eine kühle Studie
über das auseinanderbrechende Leben in einer Diktatur.
Es passiert nicht oft, dass man derart lakonisch über
die Boshaftigkeit des Lebens unterrichtet wird, wie
hier. Was bleibt übrig, wenn Privatheit, Scham
und Intimität entschwunden, ja von Seiten des Staates
untersagt und verboten werden? Freitags Befund, sprachlich
an Franz Kafkas menschlichen Eiswüsten erprobt,
gibt dazu eindeutig Auskunft. Was überlebt, sind
bürokratische Irrgebilde, sprachliche Kontrollwelten
aus Verboten und Direktiven, abgesichert durch militärische
Dauerpräsenz. Was etwa Ende der neunziger Jahre
in Andrew Roberts satirischem EU-Roman „Das Aachen
Memorandum“ noch entlarvend-heiter daherkam,,
nämlich die Auswüchse staatlicher Kontrollphantasien,
verwandelt sich bei Günther Freitag in das individuelle
Eingeständnis völligen Scheitern angesichts
hybrider Machtstrukturen.
Abstieg in die Unterwelt
Den Abstieg in die graue Unterwelt ausgedünnten
Lebens schildert der Autor anhand des neuen Lehrers
aus der Hauptstadt, dessen einzige Verwandtschaft seine
alte gebrechliche Mutter ist, die er allein in der Hauptstadt
zurücklassen muss. Schon auf der Zugreise dorthin
ahnt er, dass die Geleise ihn in eine Sackgasse führen.
Der pädagogische Auftrag scheitert dann auch rasch
am berechnenden Unwillen der Schüler, deren Verwahrlosung
auf keinen Kontrapunkt trifft. Die am Ende des Romans
vorgenommene Körpervermessung sämtlicher Bewohner
der Kleinstadt zugunsten der „Erneuerung der Hauptstadt“
setzt in ihrer grotesken Zuspitzung den Schlusspunkt
einer zugelassenen Katastrophe.
Leben nach dem Untergang
Auch wenn einem diese Einführung in das triste
Leben in Zeiten der Diktatur etwas unzeitgemäß
erscheint, die Ausdünnung der Peripherie, die fatalen
Auswirkungen wirtschaftlichen Zugrunderichtens größere
landstriche, die sukzessive Zurücknahme an technischer,
aber auch kultureller Infrastruktur kommen einem schon
vertrauter vor. Es kommt auch nicht von ungefähr,
dass man beim Lesen von „Flusswinter“ an
Michael Hanekes jüngsten Film „Wolfzeit“
erinnert wird. Hier wie dort wird Maß genommen
an einem Leben nach dem Untergang, der Katastrophe,
wobei im Unterschied zu Haneke der Befund von Günther
Freitag noch ein Stückchen bedrohlicher ausfällt.
Hans-Christian
Heintschel, in: Die Furche, Nr. 13 vom 25.3.2004, S.
IV
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Günther
Freitags Roman Flusswinter ist eine Parabel der Niedertracht,
in der die Menschen unter dem autoritären Druck einer
Diktatur nicht zueinander finden, sondern rücksichtslos
nur auf ihren Vorteil bedacht handeln. |
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Seit
jeher zirkuliert Freitags Prosa um jene Grundposition
der Moderne, dergemäß der einzelne in der sozialen
Auseinandersetzung wie gegenüber der Wissenschaft
mit Mächten konfrontiert ist, die er nicht in den
Griff bekommen kann.
In
seiner neuesten Prosa Flusswinter akzentuiert Freitag
das Thema autoritärer Gewalt in Form einer Parabel
und geht insbesondere der Frage nach, wie sich gesellschaftliche
Repression im Bewusstsein des einzelnen niederschlägt.
Die artistische Leichtigkeit der sprachlichen Tönung
der früheren Musikerzählungen und Außenseitergeschichten
ist einer wuchtigen Getragenheit, bisweilen auch Kargheit
gewichen. |
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Gefühlswinterschwimmer
Begünstigt
Günther Freitag seziert in seinem jüngsten Roman
gesellschaftliche Kälteschichten
"Der Landstrich am Fluss, früher die fruchtbare
Au und geschützt, entvölkert sich von Woche
zu Woche mehr." Schon mit den ersten Sätzen
steht man als Leser mittendrin im von Günther Freitag
entworfenen Szenario und erahnt, weiß Bescheid,
worum es geht: Um Katastrophen großen Ausmaßes,
um Katastrophen, deren Namen die Kapitelüberschriften
in Geschichtsbüchern sein könnten. Die #große
Veränderung# hat das Land befallen, Menschen verschwinden,
Repression ist Alltag, eine unscharfe, doch konkret spürbare
Bedrohung lastet auf der Bevölkerung, wird spätestens
sichtbar, wenn die Militärs auffahren. Und über
all dem schwebt die zunehmende Erstarrung, der kontinuierliche
Temperaturrückgang, der sich wider alle globalen
Tendenzen ausgerechnet am Landstrich am Fluss rücksichtslos
seine Bahn bricht. Das sind die Zutaten von Flusswinter,
und so bekannt diese Elemente auch sein mögen, legt
Freitag nach einigen Jahren des Kaum-Publizierens mit
diesem Roman einen Wurf vor, der besagte Elemente nahezu
monströs verdichtet und in einer kühl wirkenden,
nüchternen Sprache transportiert.
Vier
Perspektiven hat der Autor gewählt, um seinen Blick
auf das zu werfen, was nur vehemente Verfechter der
Schweigespirale nicht als der Wirklichkeit entnommen
anerkennen mögen, vier Perspektiven, hinter welchen
sich durchaus kanonisierte Säulen des Abendlandes
festmachen lassen. Da ist der Messner Janak, dem der
Pfarrer abhanden gekommen ist und der, immer wieder
konfrontiert mit seiner pädophilen Vergangenheit,
zunehmend die Agenden des Pfarrers übernimmt, da
ist der städtische Junglehrer, der bislang seine
Mutter gepflegt hat und in seiner Unbedarftheit im rauen
Klima des Dorfes nicht bestehen kann, da ist die Hotelbesitzerin,
ehedem Künstlerin, deren tyrannischer Ehemann trotz
seiner schweren Krankheit alle Macht ausübt, die
ein Patriarch nur ausüben kann und da sind schließlich
die Kinder, eine Horde unendlich gewiefter, konsequent
rücksichtsloser Durch-Blicker, die nicht nur in
der Lage sind, die Erwachsenen in ihrem Sinne zu manipulieren,
sondern als einzige ein strategisches Verhalten an den
Tag legen, dass den übrigen Figuren und Personen
weitgehend mangelt. Freitag bündelt diese Zutaten
zu einem Text, der menschliche Niedertracht in einer
Variante ausformuliert, wie das zum einen schon auch
schwer zu ertragen ist, zum anderen aber hat diese Neigung
menschlichen Verhaltens vehemente überzeitliche
Gültigkeit, sodass die Arbeit des darauf Hinweisens
regelmäßig jemand machen muss.
Freitag
entzieht sich in Interviews zur politischen Konnotation
seines Textes mit dem simplen Satz "dass der Inhalt
überall spielen kann" aus der an ihn herangetragenen
Pflicht der lokalen Festlegung, aber das die Frage im
Bezug auf ein Thema wie dieses müßig ist,
davon wissen ohnedies die Medien täglich zu berichten
und wer unbedingt hören will, dass es sich bei
diese Text um Österreich handelt, dem sei gesagt:
Ja, aber auch.
Hannes Luxbacher
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| Bücherschau |
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„Flusswinter“,
Günther Freitags sechstes Buch, entwirft ein bedrückendes
Szenario: Das Land am Fluss ist in die Diktatur gestürzt.
Die Menschen sind verängstigt, über allem liegt
eine diffuse Angst, aus Unkenntnis neu geschaffene Gesetze
zu verletzen. Bespitzelt und denunziert zu werden. Unterwerfung
ist eine Möglichkeit, mit der veränderten Situation
fertig zu werden. So entwickeln manche den Glauben an
die Richtigkeit der Dinge als Schutz vor dem Untergang:
„Obwohl uns unsere Eltern immer wieder einschärfen,
dass wir nicht mehr in die Au dürfen, schleichen
wir jeden Tag bin an den Fluss. Im Auwald sind die Soldaten,
hören wir. Und die Soldaten dulden keinen Eindringling.
Immer wieder versprechen wir, uns von der Au fern zu halten,
und unsere Eltern freuen sich darüber, dass wir vernünftig
sind. Die Soldaten bewachen die Grenze, sagen unsere Eltern.
Das ist eine schwere und komplizierte Arbeit. Die sie
nur erledigen können, wenn sie nicht von den Zivilisten
gestört werden.“ Immer mehr jedoch geht in
der beschriebenen Gesellschaft soziales Denken und Leben
verloren. Der eigene Vorteil, der nichts anderes bedeuten
kann, als das eigene Überleben, ist einziges Ziel,
einzige bedrückende Hoffnung geblieben. Die Bedrohung
der Gewehre wird zur Sprache: „Er sieht weg. Nicht
vor dem Lehrer, flüstert er. Und nach einer kurzen
Pause: Vor dem Menschen, der im Lehrer steckt. Gehen wir
weiter, sage ich, im Gehen wird uns warm. Und du vergisst
deine Angst. Martin nimmt seine Schubkarre wieder auf.
Bevor wir das Hotel erreichen, sagt er: Der Ort wird verbrennen.“
Dass eine Gruppe von Schulkindern am besten mit der veränderten
Situation, der Unterdrückung umzugehen versteht,
indem sie diese an Gemeinheit sogar noch übertrifft,
nimmt einem jede Hoffnung. So endet der Text auch mit
den Zeilen: „Wer sich den Messungen widersetzt,
wird niedergeknüppelt und im Liegen vermessen. […]
Nicht mehr lange kann es dauern, bis auch ich vermessen
werde. Schüsse aus dem Theater. Ich denke nicht mehr
an Flucht. An die Mutter denke ich, während ein Schwarzhelm
sein Maßband an meine Stirn legt.“ Freitag
schreibt seinen Text in kurzen Sätzen. Dadurch entsteht
der Eindruck von Atemlosigkeit, von Gehetztheit dieses
konzisen, sprachlich genauen Romans.
Mike
Markart
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